| In der Zeit von 1996 - 2000 machte der
Kantonalverband Bern die Erfahrung, dass das Kursangebot für
pflegende Angehörige nicht mehr den Bedürfnissen der Angehörigen
entspricht. Vielmehr wurde der Wunsch von Angehörigen nach einem
Entlastungsdienst geäussert. Im Juli 2001 hat der Vorstand des
SRK Bern-Oberland auf dieses Anliegen mit einem Beschluss für
ein Pilotprojekt zur Entlastung für pflegende Angehörige
reagiert.
Im September 2001 wurde zusammen mit Partnerorganisationen
(Schweizerischer Samariterbund SSB, Spitex, Pro Senectute, Sozialdienste
Stadt Thun) unter der Leitung von Margaretha Schmitz, SSB, das Projekt
Anlaufstelle zur Entlastung pflegender Angehörigen gestartet.
Am 3. März 2003 konnte die Anlaufstelle für
pflegende Angehörige im SRK Bern-Oberland mit 30 Stellenprozent
eröffnet werden und verzeichnet eine laufende Zunahme der Entlastungs-
und Koordinationsanfragen. Im Juni 2005 hat sich die Zahl der Anrufe
von Angehörigen und Institutionen im Vergleich zu 2004 verdoppelt.
Eine Erweiterung der Anlaufstelle drängte sich auf. Gleichzeitig
wurden wir im November 2004 von den Projektverantwortlichen Palliative
Care, Region Thun (Trägerschaft Krebsstiftung) für eine
Zusammenarbeit im Bereich Betreuung und Entlastung Angehöriger
angefragt.
Nach Prüfung dieser Anfrage entschied der
Vorstand des SRK Bern-Oberland im Februar 2005, ein neues umfassendes
Projekt zur Entlastung Angehöriger zu planen, in welchem die
bestehende Anlaufstelle weiter entwickelt wird. Das Projekt Entlastung
Angehörige berücksichtigt eine enge Zusammenarbeit mit
dem Projekt Palliative Care, Region Thun, welches die Angebote des
SRK Projektes Entlastung Angehörige direkt nutzen wird.
Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe erarbeitete
den Projektauftrag Entlastung Angehörige.
Das SRK Bern-Oberland arbeitete bis anhin erfolgreich
mit verschiedenen Partnerorganisationen wie z.B. Spital Thun, Spitex
Thun, Heime usw. zusammen. Diese Zusammenarbeit soll durch das Projekt
Entlastung Angehörige genutzt und weiterhin aufrechterhalten,
gefördert und koordiniert werden.
Begründung des Projekts Entlastung Angehörige
Die demographische Entwicklung im Kanton Bern zeigt, dass bis ins
Jahr 2030 die über 65-79 Jährigen um 42 Prozent und die
über 80 Jährigen und älter um 46 Prozent zunehmen.
Obschon Alter und Pflegebedürftigkeit nicht gleichgesetzt werden
können, ist eine Zunahme an Pflege- und Betreuungsbedürftigen
voraussehbar.
Nach heutigen Erkenntnissen werden zukünftig
nicht genügend Pflegeheimplätze vorhanden sein. Ein grosser
Teil der Betroffenen werden von Angehörigen und Freiwilligen
zu Hause betreut und gepflegt werden müssen. Die körperlichen,
psychischen und sozialen Belastungen der Angehörigen sind sehr
gross und führen häufig zu Überforderung und Erschöpfung.
Aus den Studien von Frau Prof. Dr. Annemarie Kesselring und der
Evaluation der Anlaufstelle zur Entlastung von pflegenden Angehörigen
SRK Bern-Oberland und aus den Erfahrungen des Projekts Palliative
Care, Region Thun wissen wir, dass folgende Bedürfnisse bei
pflegenden Angehörigen bestehen:
- Kompetenzerwerbung in der Pflege, der Begleitung und der Betreuung
von kranken, unheilbar kranken, sterbenden und älteren Menschen.
- Basiswissen für wichtige Entscheidungen erlangen.
- Über Krankheit, Sterben, Tod und Trauer reden können.
- Ein koordiniertes Betreuungs- und Behandlungsnetz zur Verfügung
zu haben.
- Informationen über Hilfe und Selbsthilfe erhalten.
Mit den vier umfassenden Entlastungsangeboten reagiert
das Projekt Entlastung Angehörige auf die Bedürfnisse
der pflegenden Angehörigen und bietet niederschwellige Dienstleistungen
an. Wir erfassen und schliessen damit Lücken im Betreuungssystem.
Das Projekt Entlastung Angehörige
- Verfolgt die drei Hauptziele des Schweizerischen Roten Kreuzes
(Menschliches Leben erhalten und schützen - Gesellschaftliche
Integration und soziale Würde des Menschen erhalten und wiederherstellen
- Gesundheit des Menschen erhalten, fördern oder wiederherstellen)
und berücksichtigt in allen Teilen die sieben Grundsätze
(Menschlichkeit - Unparteilichkeit - Neutralität - Unabhängigkeit
- Freiwilligkeit - Einheit - Universalität).
- Entspricht den Leitlinien 2001 und orientiert sich an der Strategie
2007 der Kooperation der Rotkreuz Kantonalverbände.
- Stimmen mit den Zielsetzungen der Alterspolitik des Kantons Bern
vom Dezember 2004 überein.
- Nutzt die Synergien der Partnerorganisationen sowie die Ressourcen
des SRK Bern-Oberland und stellt die Vernetzung her.
Das Projekt Entlastung Angehörige ist in seiner
Struktur einzigartig und hat Modellcharakter. Die Gesundheits- und
Fürsorgedirektion des Kantons Bern und die Humanitäre
Stiftung des Schweizerischen Roten Kreuzes beantworteten die Gesuche
zur finanziellen Unterstützung positiv.
Implementierung 2009
Die Dienstleistungen von beocare.ch wurden 2009 in die
Organisationsstrukturen des Schweizerischen Roten Kreuzes, Bern-Oberland
integriert und implementiert.
Aussenstelle Interlaken 2011
Eröffnung der Ausstenstelle, Standort Spitex Interlaken und
Umgebung.
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